Mit siebentausend Pesos in der Hand und zitternden Knien saß ich im sterilen Wartezimmer einer Frauenklinik in Mexiko-Stadt. Mein eigener Ehemann hatte mich dorthin geschickt, doch eine einzige Frage nach der Uhrzeit deckte ein unvorstellbares Doppelleben auf.
Ein erzwungener Entschluss und eine einsame Ankunft
„Wenn du mich wirklich liebst, beendest du diese Schwangerschaft noch heute, und wir reden nie wieder über dieses Thema!“, hatte Diego mir am Morgen unerbittlich an den Kopf geworfen. Dabei legte mein Ehemann sieben Bündel mit insgesamt siebentausend Pesos auf den Tisch.
Ich bin Mariana, vierunddreißig Jahre alt, und war zu diesem Zeitpunkt fast zwei Jahre mit Diego verheiratet. Bis zu diesem bitteren Morgen klammerte ich mich an die Hoffnung, unsere Ehe retten zu können.
Die Klinik lag im Viertel Doctores. Der Flur roch intensiv nach scharfem Desinfektionsmittel und aufgewärmtem Kaffee. Sieben Frauen warteten dort schweigend vor den Behandlungszimmern. Mein eigener Termin war für elf Uhr angesetzt.
Diego hatte sich geweigert, an meiner Seite zu bleiben. Er behauptete, ein unaufschiebbares Treffen mit wichtigen Investoren zu haben, das seine gesamte Aufmerksamkeit forderte.
„Mach kein Drama daraus, Mariana. Es ist nur ein medizinischer Eingriff. Gib mir einfach Bescheid, wenn du fertig bist.“
Nach einem flüchtigen Kuss auf meine Stirn wandte er sich ab und ging zur Tür hinaus.
Das schleichende Gift in unserer gemeinsamen Wohnung
Seit dem positiven Schwangerschaftstest vor neun Wochen hatte sich unser Zuhause in eine absolute Hölle verwandelt. Ich trug den tiefen Wunsch in mir, Mutter zu werden, doch Diego behauptete stur, uns fehle jegliche finanzielle Grundlage.
Wir führten ein bescheidenes Leben in einer kleinen Mietwohnung im Stadtteil Azcapotzalco:
- Ich verdiente als Buchhaltungsassistentin monatlich 18.500 Pesos.
- Diego gab an, als Bauingenieur monatlich 24.000 Pesos nach Hause zu bringen.
- Gemeinsam hatten wir rund 100.000 Pesos für eine Anzahlung auf Wohneigentum angespart.
Dieses Ersparte war jedoch längst geschrumpft, weil Diego große Summen verwendet hatte, um sein Auto zu wechseln und unsere angemietete Wohnung umzubauen. Als ich ihm damals den positiven Streifen zeigte, verzog er keine Miene.
„Wir können uns kein Kind leisten“, wiederholte er wochenlang, bis ich selbst glaubte, eine Fortsetzung der Schwangerschaft würde unsere Existenz zerstören. Zudem stellte er mir ein Ultimatum: Würde ich das Kind behalten, müsste ich meinen Weg völlig allein gehen.
Meine Eltern waren drei Jahre zuvor verstorben, Geschwister hatte ich keine und enge Freunde lebten weit entfernt. Aus purer Angst vor dem Verlassenwerden saß ich schließlich an diesem Ort.
Die fatale Begegnung im Wartesaal der Klinik
Um elf Uhr zwanzig konnte ich den tristen Blick auf die kahlen Wände nicht mehr ertragen. Ich wandte mich vorsichtig nach rechts, um eine junge Unbekannte anzusprechen.
„Entschuldigung, weißt du vielleicht, wie spät es ist?“
Die Frau hob langsam den Kopf. Sie war etwa fünfundzwanzig Jahre alt, trug dunkles Haar im Knoten und hatte tiefe Schatten unter den Augen. Ihr Blick jagte mir augenblicklich einen Schauer über den Rücken.
„Elf Uhr zwanzig“, erwiderte sie leise.
In diesem Sekundenbruchteil schoss mir eine Erinnerung durch den Kopf, die ich wochenlang verdrängt hatte. Einen Monat zuvor brachte ich vergessene Bauverträge in Diegos Büro im Viertel Roma. Auf seinem Schreibtisch lag damals ein Bilderrahmen mit der Bildseite nach unten.
Als ich ihn umdrehte, sah ich meinen Ehemann, der am Meer eine fremde junge Frau eng umschlungen hielt. Er trug dasselbe weiße Hemd, das wir im vergangenen Juni gemeinsam gekauft hatten – angeblich war er im Juli für zwei Wochen geschäftlich in Puerto Vallarta gewesen. Damals fehlte mir der Mut, ihn zur Rede zu stellen.
Zwei Schicksale und dieselbe bittere Lüge
Die Person von dem versteckten Foto saß mir nun leibhaftig gegenüber. Mein Herz begann wild zu rasen.
„Verzeihung“, bohrte ich mit brüchiger Stimme nach. „Arbeitest du in einem Bauunternehmen?“
Die junge Frau erstarrte augenblicklich: „Warum fragst du das?“
„Kennst du Diego Hernández?“
Jede Farbe wich aus ihrem Gesicht. Die Mappe, die sie umklammert hielt, entglitt ihren Fingern, und mehrere Formulare flatterten auf den Boden. Als ich mich nach vorn beugte, um ihr beim Aufsammeln zu helfen, erkannte ich zwischen den Papieren eine medizinische Verordnung, die meiner eigenen verblüffend glich.
„Wer bist du?“, flüsterte sie mit zitternden Lippen.
„Ich bin Mariana. Diegos Ehefrau.“
Sie schlug fassungslos beide Hände vor den Mund und brachte kaum einen Ton hervor: „Das kann unmöglich sein… Er hat mir versichert, dass er geschieden ist.“
Der Boden unter meinen Füßen schien komplett wegzubrechen, während ihr die Tränen über die Wangen liefen.
„Ich heiße Elena“, brachte sie schluchzend hervor. „Ich treffe mich seit vier Monaten mit ihm. Ich schwöre dir, ich hatte keine Ahnung von einer Ehefrau.“
Ein unbändiger Schrei schnürte mir die Kehle zu, doch ihre nächsten Worte ließen mein Blut vollends gefrieren:
„Mariana, ich bin ebenfalls von Diego schwanger. Und heute Morgen hat er mir Geld gegeben, damit ich in genau diese Klinik gehe.“
